Guitar Summit 2017: Der Gear Report

Der Guitar Summit liegt jetzt einige Wochen zurück. Nach dem Bericht zu den Workshops, Clinics und Konzerten folgen hier jetzt die Gear-Highlights, die unsere Autoren für euch vor Ort eingesammelt haben. Viel Spaß!

E-Gitarren

Du warst nicht da? Ja, Pech gehabt! Alle anderen wissen es bereits: Selten wurde eine Veranstaltung von allen Seiten so einvernehmlich abgefeiert, wie der von der Gitarre&Bass-Redaktion mit geradezu herzerwärmendem Einsatz aufwendig organisierte Guitar Summit in Mannheim. Der Erfolg war auch bitter nötig, um die vielen Überstunden, Sonderschichten, schlafarmen Nächte und Aufregungen aller Art zu rechtfertigen, denn die normale Redaktionsarbeit wollte ja so ganz nebenbei und wie selbstverständlich auch noch getan sein, ohne dass die immense zusätzliche Belastung auf die inhaltliche Qualität des Magazins einen spürbaren Effekt ausüben konnte, was uns erstaunlicherweise wohl auch gelungen ist. Jetzt, wo sich die Ringe unter den Augen langsam wieder aufgelöst haben, kann das Team mit Stolz auf die geleistete Arbeit zurückblicken, auf einen Event der Superlative.

Die Atmosphäre auf der Show war grundsätzlich entspannt und einladend, kein Stress, kein Gedrängel (mit Ausnahme der vielen Workshops, die fast schon erstaunlichen Andrang verzeichnen konnten), keine schlechte Luft. Allseits wurde die Gelegenheit zum informativen Gespräch ohne Lärmbelästigung gelobt, aber natürlich konnte man auch an In-Ear-Anteststationen Instrumente ausführlich probieren. In dem großartigen Mix aus Ausstellung auf verschiedenen Ebenen und in attraktiven Sälen (manche sprachen gar von Raumerlebnissen), Workshop und Konzert spielte natürlich die E-Gitarre die erste Geige und die Besucher konnten neben den ebenfalls vertretenen größeren Firmen Fender, Gretsch, PRS, Ibanez, Hagstrom, Duesenberg, Eastman etc. die Produkte vieler kleiner Hersteller kennenlernen, inspizieren, ausprobieren und kaufen, darunter natürlich auch Stars der Szene, ja viele namhafte Luthiers aus ganz Europa und selbstredend zahlreiche Mitglieder der EGB (Vereinigung der europäischen Gitarrenbauer) hatten sich eingefunden.

Dieser Artikel will sich aber nicht nur den vielfältigen Designs widmen, sondern in Zusammenhang mit ihren Kreationen auch jene engagierten und schöpferischen Menschen portraitieren, die ihr nicht immer ganz leichtes Leben in den Dienst der Gitarre gestellt haben. Gitarrenbauerwitze (‚Learning by glueing’) ähneln ja nicht ganz zufällig jenen, die über Jazzmusiker gemacht werden. Das klingt dann etwa so: Wie kommt ein Gitarrenbauer an eine Million? Gib ihm zwei Millionen und lass ihn halt mal drei Jahre lang damit arbeiten!

Die folgenden Impressionen können natürlich nur einen kleinen Teil der rund 160 Aussteller spiegeln, die Auswahl ist aber keineswegs mit irgendeiner Form von Wertung zu verwechseln. Klar, dass bei der Menge der Angebote Akzente auch im Sinne der Leser zu setzen waren, um mit den Augenfälligkeiten und Novitäten im Meer der mannigfaltigen Design-Offerten die immense Bandbreite und Individualisierung der aktuellen Szene im Gitarrenbau zu demonstrieren. Der Autor zieht sich aus der Affäre, indem er viele kommentierte Fotos anliefert und die Qual der Wahl einfach der Redaktion in Köln überlässt. Sorry Jungs! (Tja Kollege, und weiste was – wir nehmen einfach alle. Ätschibätsch!)

Bass

Die einst größte Musikmesse der Welt schwächelte in den letzten Jahren. Erst konnten oder wollten etliche kleinere Hersteller die Kosten nicht mehr stemmen, dann kamen auch große Marken nicht mehr nach Frankfurt. Das mag eine Folge der kurzen digitalen Verbindungen zwischen Kunde, Händler und Hersteller sein, die althergebrachte Handels- und Informationsmesse hat dadurch jedenfalls an Gewicht und Notwendigkeit verloren. Verloren geht mit dem Rückgang aber auch zunehmend die Möglichkeit, das Angebot sinnlich zu erfahren, rundum zu begutachten, anzufassen und mit dem Anbieter direkt ins Gespräch zu kommen. Wobei zumindest Letzteres aufgrund des allgemeinen Geräuschpegels in den großen Messehallen immer schwieriger wurde, da halfen bislang keine ausgesandten Pegelmess-Trupps, die Lautstärkesünder in die Schranken zu weisen. Vielleicht ist es auch die kühle Beton-Atmosphäre unter Leuchtstofflicht, die manche Emotion erst gar nicht aufkommen lässt, dabei können Gefühle beim Umgang mit Musikinstrumenten doch sehr wichtig sein.

Der Mannheimer Rosengarten ist ein Jugendstilbau, außen opulent in rotem Sandstein, das großzügige Innere nobel mit Marmor und Parkett, hohen Decken und interessanten Lampen, großer Orgel sowie dem tollen Mozart-Saal ausgestattet. Und mit vielen Fenstern, die von vornherein das messeübliche Bunker-Gefühl vermeiden, alles geht hier angenehm entspannt vor sich. Zweifellos kommen auch schöne Musikinstrumente in gediegenem Ambiente besser zur Geltung als in Betonhallen mit kaltem Leuchtstofflicht. Noch ein großer Unterschied: Die Ohren fühlen sich unerwartet wohl im Rosengarten, wo konsequent auf nerviges Durcheinanderprobieren verzichtet wird. Für relevante Schallemissionen gibt es nämlich Kopfhörer und im Basement die Verstärker-Abteilung, darüber hinaus Workshops und Konzerte in den üppigen Räumlichkeiten des Gebäudes. Wo man zur Verständigung nicht mehr brüllen muss, kommen mehr Feinheiten zum Zuge, das war in den Gesprächen auf dem Guitar Summit nicht das einzige positive Feedback.

Nicht nur erfreulich viele Custom-Hersteller waren da, auch die großen Marken wollten sich die Präsenz auf dieser neuen Veranstaltung nicht entgehen lassen, und dass Ampeg, Fender, Godin, Höfner, Ibanez Markbass, Sandberg, Yamaha und etliche andere ihr Programm und ihre Neuigkeiten vorzeigten, sorgte zusammen mit den kleineren, exklusiven Highend-Herstellern für einen ziemlich runden Markt- überblick. „Klein“ ist auch dadurch relativ, weil sich etliche Instrumentenbauer unter dem Dach der European Guitar Builders zusammentaten und somit eine opulente Präsenz mit großem Gemeinschaftsstand leisten konnten.

Akustikklang im E-Bass-Format bietet Manne mit dem Vibra-Bass, der die Piezo-Abnahme im Steg mit einem Magnet-Pickup im Schallloch verbindet. Absoluter Hingucker ist dabei die wild gezeichnete Decke aus Poplar Burl.

Manne Instruments
Manne Instruments

Lutz Kunz baut nicht nur schöne Boxen im individuellen Outfit, sondern kleidet dazu auch jeden klassischen Amp passend ein. Ein komplettes Bass-Stack ist als Testgerät an uns unterwegs!

Kunz Cabinets
Kunz Cabinets

Ferdinand Rikkers reduziert den Korpus bei seinem Treeline Bass bis auf´s Gerippe – klar, dass diese Konstruktion als Leichtgewicht kaum zu schlagen ist. Und bei maximalem Spielkomfort auch noch unübersehbar ausfällt.

Rikkers
Rikkers

Sehr ungewöhnliche Formgebung macht auch den speziellen Reiz bei einem Bass von Matthias Herbst aus, der zur Zeit noch in London produziert, im nächsten Jahr aber nach Deutschland zurückkehren wird.

Herbst
Herbst

UniCut baut zwar vornehmlich Gitarren, aber wer einen Bass mit ungewöhnlicher Form sucht, wird hier ebenfalls fündig.

UniCut
UniCut

Der Österreicher Andreas Neubauer ist auf Sonderanfertigungen nach Kundenwunsch spezialisiert, wobei seine große Bandbreite bemerkenswert ist und von exquisiten Jazz-Gitarren bis zum Bass-Singlecut reicht.

Neubauer
Neubauer

Günter Eyb kann als dienstältester deutscher Bassbauer auf enorme Erfahrung zurückgreifen und hat seinen Bassiq 5 Retro im Seventies-Design auf besonders pfundigen Ton ausgelegt, wobei die Korpusbasis aus Erle mit einer Decke aus Esche kombiniert wird.

Elyra
Höchst eigenständig und funktionsstark ist das originelle Design der Elyra Guitars, entworfen von Tilly Fuchs, gebaut von Günter Eyb. An einen dominanten Hals sind Komponenten wie Korpus und Decke angebracht, verschiedene zum Modell angebotene Schwingungsscheiben erlauben dem Musiker Klangmodulationen nach seinem Geschmack.

Nico Schack hat vor 7 Jahren die Werkstatt seines Vaters übernommen und führt das hohe Qualitätsniveau konsequent fort. Neben vielen Varianten des Unique-Modells fiel besonders der brandneue N-Finity-Singlecut ins Auge.

Schack
Schack

Harry Häussel baut hervorragende Tonabnehmer in allen möglichen Designs, wobei er immer wieder frische Ideen verwirklicht. Neben den neuen J/P-Kombinationen im MM-Format sind auch seine Half-Slanted-Magnetanordungen bemerkenswert – Testgeräte sind bestellt.

Häussel Pickups
Häussel Pickups

Was für eine Diva! Doch außer kunstvoll gebauten Spitzenbässen wird Marleaux künftig auch Elektronik liefern und hat mit dem Tonwerk-Preamp viel Aufsehen erregt – Test in Gitarre & Bass 11/2017!

Marleaux Bassguitars
Marleaux Bassguitars

Der neue zweikanalige Evo1 von Markbass kann eine Menge, vor allem ist er aber auf Software-Ebene unglaublich wandelbar und kann klanglich sechs verschiedene Amp-Charaktere darstellen.

LeFay hat durch aufwendige und durchdachte Baudetails zweifellos Weltklasse-Format, und mitunter sind es auch die kleineren Dinge, die bei Bassisten gut ankommen. Der neue Big-Block-Tonabnehmer soll MM- und J-Sounds vereinen, aber das natürlich in ganz eigener LeFay-Manier.

Le-Fay
Le-Fay

Jens Ritter hatte im wunderschönen Princess-Isabella-Design endlich auch einen Bass ausgestellt! Der Viersaiter ist klanglich eher retro ausgelegt, die leicht verkürzte Mensur soll dabei entgegenkommende Spielbarkeit garantieren. Außerdem plant er derzeit, auch Verstärker zu bauen, wobei man natürlich sicher sein darf, dass dabei ganz besondere Stücke herauskommen.

Jens-Ritter
Bei Jens Ritter liegt der Akzent in der Gitarrenbaukunst auf dem Begriff Kunst, nicht ganz zufällig sind seine Designs in Museen
(u. a. MoMA/New York, Museum Of Fine Arts/Boston) ausgestellt, er kann aber auch schlicht und ließ sich bei diesem Modell von seiner alten Schulbank inspirieren.

Neben vielen edlen Hölzern fiel bei Franz Bassguitars auch eine eher klassische Design-Linie mit deckendem Lack und Schlagbrett auf. Das Pickguard hat´s übrigens in sich, denn es handelt sich um eine neuartige Konstruktion mit Phenolharz-Kern, die von beiden Seiten mit gefärbten Echtholz-Furnieren beschichtet ist.

Franz
Franz Bassguitars

Eich Amplification stellte im Basement einige Custom Colours für seine Boxenmodelle aus, die ohne Aufpreis in Schwarz und Weiß, in anderen Farben bis zur S-Serie € 50 extra kosten und ab der M-Serie mit einem Zuschlag von € 70 angeboten werden.

Eich
Eich Amplification

Yamaha präsentiert an seinem Stand eine große Auswahl an Acoustics, E-Gitarren und Bässen. Besondere Highlights? Klar! Die neuen Revstar-Gitarren und die Bässe der BB-Serie. Am selben Stand kann man auch die neue Line 6 Variax Shuriken antesten. Lange Mensur, Variax-HD-Technologie und eine schnittige Korpusform.

Yamaha
Am beeindruckenden Stand von Yamaha konnte man neben den sehr gelungenen Revstar-Gitarren auch die neue Line 6 Variax Shuriken antesten. Lange Mensur, Variax-HD-Technologie und eine schnittige Korpusform – Test folgt asap!

Sicher kann die deutsche Traditionsfirma Höfner auch mehr, aber klarer Blickfang am Stand war der Höfner 60th Anniversary 500/1 Bass – der Beatles-Bass ist einfach der Höfner-Klassiker schlechthin.

Höfner
Höfner

Ibanez feiert das 30. Jubiläum der SR-Serie und präsentiert wieder mal eine richtig starke und breit gefächerte Bass-Ecke. Neben einigen neuen Semihollow-SR-Varianten machen auch die überarbeiteten und äußerst massiv gebauten BTB’s einen starken Eindruck – viel Bass fürs Geld!

Ibanez
Auch der Ibanez-Stand war gut besucht – kein Wunder, ein Großteil des Sortiments (egal ob Bässe, E-Gitarren oder Acoustics) konnte eingehend getestet werden. Ein Highlight
waren die Iron-Label-Gitarren, tief und böse, jetzt auch teilweise mit Bareknuckle-Pickups.

Bei Godin bekommt man Made-in-Canada-Qualität für erstaunlich kleines Geld. Beim Summit zeigt die Firma modernisierte Klassiker mit eigenen Pickups und ein paar cleveren Design-Details. Ein solides Arbeitstier mit vertrauten PJ-Sounds ist z.B. der Shifter-Bass.

Godin
Godin

Auch Leo Fenders dritte Liebe, G&L-Guitars, war beim Summit vertreten. Neben dem neuen Kiloton-Bass konnte man auch Klassiker wie den L-2000 oder die Asat antesten – auch als Lefthand-Variante.

G&L
G&L

New Kid on the Block! Ein starker Newcomer auf dem Guitar Summit war Wreck aus Kroatien. Die Instrumente werden individuell angefertigt, haben einen eigenen Boutique-Charme und lassen sich extrem gut spielen. Ein interessantes Design-Detail der F-Loch-Modelle sind die pyramidenförmigen Fräsungen im Korpusinneren.

Wreck
Wreck

Auf dem Sandberg-Stand konnte man sich einmal querbeet durch die Modell-Palette spielen. Mit dabei sind Bässe in freakigen Rost- und Zebra-Finishes, ganz neu ist außerdem der California VM als 4- Saiter mit 35“-Mensur.

Sandberg Guitars
Sandberg Guitars

Nicht weniger highendig und ebenfalls am Session Stand zu sehen waren die legendären Bässe von Sadowsky. Session hat hier eine komplett neue Serie im Gepäck!!

Sadowsky
Sadowsky

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